Von Walenstadtberg Untersäss (754m) via Valsloch über die Churfirsten (Hinterrugg 2306m) nach Alt St. Johann im Toggenburg

Typ: Wunderschöne, aber anspruchsvolle Berg-Wanderung an und über meine geliebten Churfirsten

Kondition: anspruchsvoll (4 von 5)

Schwierigkeit: mittel (3 von 5)

An- / Rückreise

Mit der Bahn nach Walenstadt, dort Postauto nach Walenstadtberg (bei Stauffacher aussteigen).

Rückreise von Alt St. Johann mit Postauto nach Wattwil, von dort Bahn über Uznach / Rapperswil, Zürich HB und Fernzüge

Wanderung

Die Wanderung beginnt in Walenstadtberg Untersäss ziemlich genau bei der Postautohaltestelle “Stauffacher”; es muss also nicht bis Alpenblick oder Höhenklinik hochgefahren werden. Dieser Weg hat den Vorteil, dass die weiss-blau-weiss markierte Kletterstelle mit Seilen umgangen werden kann.

Am Anfang geht es noch zwischen den Häusern und grünen Wiesen durch, aber schon bald erreicht man den steilen Wanderweg und gewinnt an Höhe. Es geht durch herbstliche Wälder zur Alp Tschingglä (1528m) hoch. Unterwegs keine nennenswerte Hindernisse ausser Couloirs in welchen, je nach Jahreszeit, noch Lawinenschnee liegen kann.

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Aufstieg zur Alp Tschingglä

Auf Google Maps gibt es in dieser Gegend auch noch “The Crack” zu bewundern, all jenen denen das nichts sagt seien an YouTube verwiesen (Link). Ich habe mir sagen lassen, dass man an gewissen Tagen tatsächlich ein paar lebensmüde Basejumper oben springen sehen kann. Durch “the crack” zu fliegen (fallen?) scheint dann zur Kür zu gehören.

Bei der Alp Tschingglä angekommen (Referenzzeit ab Untersäss: 1h05m mit Durchschnittspuls 168) biege ich rechts ab. Nach ca. 500m (Punkt 1543) bietet sich ein kurzer weiss-blau-weisser Wegabschnitt an dessen einzige Schwierigkeit in der Querung der leicht abwärts geneigten Felsplatten unterhalb der Tieregg liegt. Wahrscheinlich schwieriger bei nassem Boden, mit guten Wanderschuhen und trockener Witterung kein Problem. Ein paar Gämsen grasen in den Wiesen nebendran und ich erreiche ohne grosse Mühe das Chammsässli (1742m), wo mich zwei stumme Jäger und ein Hund erwarten; auf meinen Gruss reagieren sie auf jeden Fall nicht, und da ich keine Lust habe über den Haufen geschossen zu werden laufe ich in freudiger Erwartung über das Valsloch gleich weiter.

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Vor dem Chammsässli

Ein Fehler. Die 800 Höhenmeter zur Alp Tschingglä und das lang zurück liegende, frühe Morgenessen zwingen mich kurz vor dem Valsloch zu einer Blutzucker-Regenerations-Pause, von der ich mich leider bis oben nicht mehr ganz erhole, denn die verbleibenden knapp 600 Höhenmeter ab Chammsässli haben es brutal in sich (v.a. wenn man Hunger hat). Da helfen weder Malzwürfel mit Schoggiüberzug noch Banane noch Äpfel, und Mittagessen will ich noch nicht. Da heisst es Zähne zusammenbeissen und weil schon die Krämpfe drohen (wahrscheinlich am Adductor Longus) nehme ich sogar noch – es beschämt mich es zu sagen – meine Stöcke zu Hilfe.

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Blick zurück zum Chammsässli

 

Herzstück des Valslochs ist eine enge kleine Spalte im Fels, durch die hinaufgestiegen werden muss, danach öffnet sich das Couloir wieder zu einem kleinen Hochtal und man geht über saftige Wiesen hoch zum Punkt 2248. Auf der Chäserrugg hat es Touristen en masse, ein merkwürdiger Kontrast zur bisherigen Wanderung, bei welcher ich ausser den beiden Jägern vielleicht zwei Personen gesehen habe. Ich entscheide mich, die Abgeschiedenheit noch ein wenig mehr zu geniessen und wende mich darum nach links, nach einem kurzen Stück ist die Hinterrugg erreicht, und auch die obligaten Steinböcke sind nicht weit.

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Ich werde für meine Mühen belohnt, die Aussicht von der Hinterrugg (2306m) ist absolut phänomenal.

Blick Richtung Churfirsten, unten der Walensee
Blick Richtung Churfirsten (Schibenstoll), unten der Walensee

 

Der Abstieg ist ebenso schön wie atemraubend. Man geht in westlicher Richtung abwärts zum Punkt 2045 und kommt dabei an einigen imposanten Ausblicken an die Wand der Hinterrugg vorbei. Der Weg ist steil und rutschig, aber die mitgebrachten Wanderstöcke beschleunigen die Sache erheblich. Der Blick zurück an die Schibenstoll (der Schibenstoll?) und die Hinterrugg ist imposant und die Nachmittagssonne gibt dem ganzen einen dramatischen Touch.

Es führt ein lang gezogener, angenehmer Weg runter zur Vorderen Selamatt und weiter zur Alp Selamatt (die Krämpfe im Oberschenkel an einer ganz blöden Stelle schlagen nun immer wieder zu, was die Lauffreude ein wenig verdirbt). Bei der Alp Selamatt angekommen gönne ich mir die Sesselbahn für das letzte Stück.

 

 

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