Im Weisstannental unterwegs zu den Wasserfällen

Typ: Schöne, aber anspruchsvolle Wanderung.

Unbedingt Proviant mitnehmen, es hat wenig Einkehrmöglichkeiten unterwegs

Kondition: anspruchsvoll (4 von 5)

Schwierigkeit: anspruchsvoll (3 von 5), je nach Schneeverhältnissen – im Mai liegt teilweise noch Schnee, was ein Überqueren schwieriger, auch auch gefährlicher macht.

An- / Rückreise

Mit dem Auto direkt nach Weisstannen SG, auf Höhe Oberdorf hat es wenn man von Mels her kommt links abbiegt einige Parkplätze. Die umweltfreundlichere Variante ist mit dem Zug nach Sargans und von dort mit dem Postauto nach Mels.

Wanderung

Die Wanderung beginnt in Weisstannen Oberdorf. Der Weg in Richtung Batöni beginnt zuerst flach, steigt dann aber doch steil an. Links unten hört man immer wieder mal den Gufelbach tosen. Nach gut 500 Höhenmetern erreicht man gut eingelaufen, aber ohne grosse Anstrengung Batöni. Ein wunderschöner Ort, an dem ca. 5 Bäche zusammenfliessen und drei Wasserfälle miteinander zu sehen sind.

Die drei Wasserfälle bei Batöni
Die drei Wasserfälle bei Batöni

Angeblich ein Kraftort: “Sie stehen vor dem 81 Meter hohen Piltschinabachfall (links), dem Sässbachfall (86 m hoch, Mitte) und dem Muttenbachfall (45 m hoch, rechts). Etwas weiter oben mündet der Lavtinabach in den Piltschinabach und etwas weiter unter der Guetentalbach in den Gufelbach. Sie befinden sich an einem fünfarmigen Wasser-Kraftort, der zu einer imposanten Felsarena ab-getragen worden ist. Nicht nur der Anblick ist überwältigend, auch die Energien sind äusserst hoch und aufbauend.

Am Fusse von Wasserfällen finden sich Orte von grosser aufladender Kraft. Es ist nicht nötig, dass Sie näher an die Wasser gehen, durch die Vielzahl der Fälle stehen Sie in deren Zusammenfluss in einer wahrhaft aufgeladenen Arena.”

(heidiland.com, abgerufen am 4.6.2017)

Von den “hohen und aufbauenden Energien” haben wir nicht viel gespürt, aber die Schönheit des Ortes ist schon überwältigend. Wir verweilen für eine kurze Dauer und entschliessen uns dann, dem Lavtinabach entlang in Richtung Stofel (1890 MüM) zu laufen. Der Anstieg ist bissig, aber die Aussicht auf die Wasserfälle lohnenswert. Wir gehen weiter in Richtung Lavtinasattel, der allerdings im Mai wegen des Schnees noch unüberwindbar ist. So biegen wir bei Ober Läger, ungefähr bei 2170 MüM nach links ab und laufen in Richtung Jägerichopf. Der Weg ist nicht gut erkennbar und für Ungeübte ist an dieser Stelle ein Handy mit Offline-Karte zu empfehlen. Verlaufen kann man sich allerdings nicht gross, der Weg geht leicht unterhalb dem Stafinälla-Grat leicht ansteigend und westwärts zuerst zum Punkt 2202, und dreht dann nach Norden in Richtung Jägerichopf. Ab und zu zeigt sich wiedermal eine Gämse, die sich aber scheu zurückziehen.

Weit unten liegt Weisstannen, am rechten Bildrand die Churfirsten
Weit unten liegt Weisstannen, am rechten Bildrand die Churfirsten

Ziemlich genau senkrecht unter dem Jägerichopf ist Schluss mit Lustig. Ein breites Schneefeld versperrt uns den Weg und im sehr steil abfallenden Terrain getrauen wir uns nicht, dieses zu überqueren. Zu gross ist die Gefahr auszurutschen und erst wieder 200-300m weiter unten zum Stillstand zu kommen. Ist das einer der Momente, wo man besser vorsichtig ist in den Bergen? Leute sind schon wegen weniger schwer verletzt worden oder gar gestorben. Da der Jägerichopf für uns gut sichtbar deutlich exponierter an der Sonne liegt entschliessen wir uns nach kurzer Beratung, zum ihm hochzusteigen (phasenweise auf allen Vieren) und das Schneefeld so zu umgehen.

Blick vom Jägerichopf
Blick vom Jägerichopf. Aufgrund des Umwegs müssen wir diese Krete hinabsteigen

Der Plan klappt gut, ist aber deutlich anstrengender. Mit viel Vorsicht erreichen wir mit ca. 30 Minuten Umweg den ursprünglichen Trampfelpfad.

Blick zurück zum Jägerichopf.
Blick zurück zum Jägerichopf. Deutlich zu erkennen der Weg und das verflixte Schneefeld

Es folgt ein angenehmes, aber doch steiles Hinterlaufen, dem Heugrat entlang, bis Gafarrabüel (Punkt 1766). Schaut ganz nach einer Alp aus.

Wir entschliessen uns den sehr steilen Weg nach Weisstannen zu nehmen, der unserer Kondition und den Knien nun doch das Letzte noch abverlangt. Auf einer Distanz von 900m Luftlinie werden ca. 670 Höhenmeter vernichtet. Ein zweites Mal würden wir von Gafarrabüel aus wahrscheinlich den Abstieg über das Gafarratobel wählen und ab Schwendi das Postauto nehmen.

So aber kommen wir mit reichlich schwachen Knien und ziemlich verschwitzt bei der Schussanlage Zipf an. Das Überqueren der Brücke auf Höhe der Scheiben des Schiesssandes ist nicht zwingend nötig, wir bevorzugen aber die letzten Meter auf der Fahrstrasse zu gehen und kommen so nach einem kurzen Marsch parallel zum Gufelbach am Ziel Weisstannen Oberdorf an.

Fazit

Anstrengend aber schön. Die Wasserfälle, aber auch die Aussicht auf die Churfirsten sind das absolute Highlight.

 

Von Wald (ZH) nach Wald über die Farneralp

Typ: Schöne, leicht anspruchsvolle Winterwanderung

Unbedingt Proviant mitnehmen, während die Aussicht auf der Farneralp überzeugt ist die Gastfreundschaft leider genau gegenteilig.

Kondition: mittel (3 von 5)

Schwierigkeit: leicht (2 von 5), je nach Schneeverhältnissen

An- / Rückreise

Mit der Bahn oder dem Auto nach Wald (ZH), beim Bahnhof parkieren. Die Wanderung endet in Wald, alternativ kann man in der Höhenklinik (Posthaltestelle Faligberg) das Postauto zurück nach Wald Bahnhof nehmen.

Wanderung

Die Wanderung beginnt beim Bahnhof Wald. Man läuft durch den Ort hindurch in Richtung Kirche, vorbei an der Raiffeisen Bank und dem Coop, bis ans Ende der Bahnhofstrasse. Von dort sieht man auch schon die grosse Kirche, um die herum man läuft. Kurz danach biegt man links in die Hüeblistrasse, die man ein Stück hochläuft. Auf Höhe der ersten scharfen Linkskurve biegt der Wanderweg nach rechts ab (Quartier Sagenrain).

Man überquert die Bahnlinie auf dem Wanderweg und erreicht den Wald. Rechts plätschert der Schmittenbach, der sich nun über viele Wasserstufen in der Nähe des Wanderweges hochzieht. Es gibt immer wieder mal Abzweigungen im Wanderweg nach links und rechts, aber im Wesentlichen hält man sich streng dem Bach entlang aufwärts und kann als Zeitvertreib die verschiedenen Stufen zählen.

Den Wasserfall im Sagenraintobel sollte man nicht ausser acht lassen. Auf Höhe Bleuelholz / Tüfi kann man einen kurzen Abstecher zum Wäbereggweiher machen, interessanterweise läuft man ab da alles auf der Kantonsgrenze Zürich / St.Gallen bis zum Hof Ger, nach einen kurzen Stück am Gerenbach.

Am Hof Ger biegt man rechts ab und läuft so – an einem Waldstück vorbei über ein weites Feld hoch in Richtung Farneralp. Am Waldrand angekommen verläuft der Wanderweg ziemlich steil bis man auf einer weiten Wiese angelangt ist (Rüti). Von dort ist es nur ein kleines Stück durch den Wald hindurch zur Farneralp.

Ein Einkehren in der Farneralp lohnt sich nur für Mutige. Die Freundlichkeit des dortigen Personals ist kaum vorherzusehen, so dass man entweder einigermassen anständig bedient wird oder aber nur angeblafft wird, wenn man die Frechheit besitzt, auch noch etwas kaufen zu wollen. Hier wäre – wie bei so vielen Bergrestaurants – dringend Konkurrenz nötig.

Der Retourweg geht über Cholwald der nicht zu übersehenden Fahrstrasse entlang über Bode bis nach Chrinnen, wo die meisten Ausflügler ihr Auto parkieren. Hier überquert man denn auch die Kantonsgrenze wieder und erreicht in 10 Minuten die Höhenklinik Wald mit der Postautohaltestelle Faltigberg.

Hier nimmt man entweder das Postauto zurück noch Wald, oder läuft das restliche Stück (der Einsteig zum Wanderweg ist ca. 50m vor der Postautohaltestelle rechts) über Chatzenstrick, Lauf, Nähren, Geeretsrüti und Brugglenwäldli zurück an den Bahnhof.

 

 

 

Von Walenstadtberg Untersäss (754m) via Valsloch über die Churfirsten (Hinterrugg 2306m) nach Alt St. Johann im Toggenburg

Typ: Wunderschöne, aber anspruchsvolle Berg-Wanderung an und über meine geliebten Churfirsten

Kondition: anspruchsvoll (4 von 5)

Schwierigkeit: mittel (3 von 5)

An- / Rückreise

Mit der Bahn nach Walenstadt, dort Postauto nach Walenstadtberg (bei Stauffacher aussteigen).

Rückreise von Alt St. Johann mit Postauto nach Wattwil, von dort Bahn über Uznach / Rapperswil, Zürich HB und Fernzüge

Wanderung

Die Wanderung beginnt in Walenstadtberg Untersäss ziemlich genau bei der Postautohaltestelle “Stauffacher”; es muss also nicht bis Alpenblick oder Höhenklinik hochgefahren werden. Dieser Weg hat den Vorteil, dass die weiss-blau-weiss markierte Kletterstelle mit Seilen umgangen werden kann.

Am Anfang geht es noch zwischen den Häusern und grünen Wiesen durch, aber schon bald erreicht man den steilen Wanderweg und gewinnt an Höhe. Es geht durch herbstliche Wälder zur Alp Tschingglä (1528m) hoch. Unterwegs keine nennenswerte Hindernisse ausser Couloirs in welchen, je nach Jahreszeit, noch Lawinenschnee liegen kann.

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Aufstieg zur Alp Tschingglä

Auf Google Maps gibt es in dieser Gegend auch noch “The Crack” zu bewundern, all jenen denen das nichts sagt seien an YouTube verwiesen (Link). Ich habe mir sagen lassen, dass man an gewissen Tagen tatsächlich ein paar lebensmüde Basejumper oben springen sehen kann. Durch “the crack” zu fliegen (fallen?) scheint dann zur Kür zu gehören.

Bei der Alp Tschingglä angekommen (Referenzzeit ab Untersäss: 1h05m mit Durchschnittspuls 168) biege ich rechts ab. Nach ca. 500m (Punkt 1543) bietet sich ein kurzer weiss-blau-weisser Wegabschnitt an dessen einzige Schwierigkeit in der Querung der leicht abwärts geneigten Felsplatten unterhalb der Tieregg liegt. Wahrscheinlich schwieriger bei nassem Boden, mit guten Wanderschuhen und trockener Witterung kein Problem. Ein paar Gämsen grasen in den Wiesen nebendran und ich erreiche ohne grosse Mühe das Chammsässli (1742m), wo mich zwei stumme Jäger und ein Hund erwarten; auf meinen Gruss reagieren sie auf jeden Fall nicht, und da ich keine Lust habe über den Haufen geschossen zu werden laufe ich in freudiger Erwartung über das Valsloch gleich weiter.

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Vor dem Chammsässli

Ein Fehler. Die 800 Höhenmeter zur Alp Tschingglä und das lang zurück liegende, frühe Morgenessen zwingen mich kurz vor dem Valsloch zu einer Blutzucker-Regenerations-Pause, von der ich mich leider bis oben nicht mehr ganz erhole, denn die verbleibenden knapp 600 Höhenmeter ab Chammsässli haben es brutal in sich (v.a. wenn man Hunger hat). Da helfen weder Malzwürfel mit Schoggiüberzug noch Banane noch Äpfel, und Mittagessen will ich noch nicht. Da heisst es Zähne zusammenbeissen und weil schon die Krämpfe drohen (wahrscheinlich am Adductor Longus) nehme ich sogar noch – es beschämt mich es zu sagen – meine Stöcke zu Hilfe.

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Blick zurück zum Chammsässli

 

Herzstück des Valslochs ist eine enge kleine Spalte im Fels, durch die hinaufgestiegen werden muss, danach öffnet sich das Couloir wieder zu einem kleinen Hochtal und man geht über saftige Wiesen hoch zum Punkt 2248. Auf der Chäserrugg hat es Touristen en masse, ein merkwürdiger Kontrast zur bisherigen Wanderung, bei welcher ich ausser den beiden Jägern vielleicht zwei Personen gesehen habe. Ich entscheide mich, die Abgeschiedenheit noch ein wenig mehr zu geniessen und wende mich darum nach links, nach einem kurzen Stück ist die Hinterrugg erreicht, und auch die obligaten Steinböcke sind nicht weit.

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Ich werde für meine Mühen belohnt, die Aussicht von der Hinterrugg (2306m) ist absolut phänomenal.

Blick Richtung Churfirsten, unten der Walensee
Blick Richtung Churfirsten (Schibenstoll), unten der Walensee

 

Der Abstieg ist ebenso schön wie atemraubend. Man geht in westlicher Richtung abwärts zum Punkt 2045 und kommt dabei an einigen imposanten Ausblicken an die Wand der Hinterrugg vorbei. Der Weg ist steil und rutschig, aber die mitgebrachten Wanderstöcke beschleunigen die Sache erheblich. Der Blick zurück an die Schibenstoll (der Schibenstoll?) und die Hinterrugg ist imposant und die Nachmittagssonne gibt dem ganzen einen dramatischen Touch.

Es führt ein lang gezogener, angenehmer Weg runter zur Vorderen Selamatt und weiter zur Alp Selamatt (die Krämpfe im Oberschenkel an einer ganz blöden Stelle schlagen nun immer wieder zu, was die Lauffreude ein wenig verdirbt). Bei der Alp Selamatt angekommen gönne ich mir die Sesselbahn für das letzte Stück.

 

 

Highlight im Tessin: Bidogno – Motto della Croce – Caval Drossa – Monte Bar – Capanna Monte Bar – Alpe Muscatina – Pian Sotto – Püfin – Bidogno

Typ: Wunderschöne Berg-Wanderung im Tessiner “Hinterland” mit exzellentem Ausblick auf Lugano und umliegende Regionen

Kondition: mittel (3 von 5)

Schwierigkeit: leicht (2 von 5)

An- / Rückreise

Mit dem Auto bis nach Bidogno (799m), dort einer gut beschilderten Parkplätze nutzend.

Mit dem Zug nach Lugano, dann weiter mit dem Niederflur-Bus und Bus über Tesserete nach Bidogno.

Wanderung

Die Wander-Winterpause ist aufgrund der zahlreichen familiären Verpflichtungen und geschäftlichen Reisen dieses Jahr spät beendet worden. Die erste Wanderung war dafür um so spektakulärer. Den Caval Drossa habe ich zufälligerweise bei einem – eher mühsamen – Besuch von Swiss-Miniatur in Melide entdeckt. An einem schönen sonnigen Tag, eben in jenem Melide weilend, habe ich aus Langeweile jenen Rücken am Horizont erspäht, mittels iPhone-App (Peakfinder) bestimmt und beschlossen, diesen am Folgetag zu bezwingen. Den höher liegenden Monte Bar haben wir dann “rein zufällig” noch mit in die Wanderung aufgenommen.

Mit dem Auto fahren wir (ebenfalls eher zufällig und nur über die Wanderkarte identifiziert) nach Bidogno und finden auch prompt einen Parkplatz, gut ausgeschildert. Den Grund für die vielen bereitwillig zur Verfügung gestellten Parkplätze finden wir später auf der Wanderung raus: Die Capanna Monte Bar ist ein beliebtes Ausflugsziel für Mountain-Biker, da zu ihr ein gut erschlossener Weg hochführt. Und die vielen MTB-ler müssen ja irgendwo ihr Auto abstellen können, wie wir auch.

Aber zurück zu uns: Im Dorf selber sind die Wanderwege verwirrend, so dass wir prompt zuerst in die absolut falsche Richtung loswandern. Erst nach einigem Suchen entdecken wir “unseren” angestrebten Wanderweg in Richtung Somazzo von wo aus wir über Ticin und Monte di Roveredo (1058m) in Richtung Motto della Croce (1393m) hochwandern. Dort (in Monte di Roveredo) verlaufen wir uns, so dass wir bei Bedolasca nicht wie auf der Karte gezeigt ziemlich orthogonal gegen die Höhenlinien in Richtung Piadone laufen, sondern eher wieder “retour” nach Borisio gehen. Erst dort verstehen wir die Landschaft (ein Risiko der sehr spontan geplanten Wanderung) und zweigen bei der Waldspitze oberhalb Borisio in Richtung Piadone ab, nachdem wir aber im wesentlichen den ganzen Bergkegel wieder traversiert haben.

Bei Monte di Roveredo
Bei Monte di Roveredo mit Blick nach Lugano
Blick von Motto della Croce
Motta della Croce

Der Blick von Motta della Croce ist sehenswert und hier fallen uns das erste Mal die zahlreichen Mountainbiker auf, die sich über die Fahrstrasse den Berg hochmühen, die einen fitter, die anderen weniger. Sie alle werden aber – wie wir – mit einem tollen Panorama belohnt.

Ab hier ist der Weg auf den Caval Drossa und weiter auf den Monte Bar klar zu erkennen.

Blick zum Caval Drossa und Monte Bar dahinter
Blick zum Caval Drossa und Monte Bar dahinter

Nach gut 60 Minuten ist dann auch der Monte Bar (1816m) erreicht, nachdem wir auf dessen Südwestflanke ziemlich direkt hochgeflaufen sind (vom Punkt 1489 her). Als Alternative kann man über die Capanna Bar hochlaufen, das ist ein bisschen weniger steil.

Der 360° Rundumblick ist fantastisch! Wir geniessen den Ausblick bevor wir uns über die Capanna Bar auf den Rückweg machen.

360° Rundumblick auf dem Monte Bar
360° Rundumblick auf dem Monte Bar

Der Rückweg über die Capanna Monte Bar (1600m) und weiter runter über die Alpe Musgatina (1390m) zurück nach Bidogno ist sehr gut beschildert und trifft irgendeinmal dann auch kurz die Strasse zwischen Bidogno und Albumo, bevor man unterhalb davon wieder im Wald läuft.

Über Püfin finden wir schliesslich zurück nach Bidogno, wo wir den Kreuzweg der Oratorio di S. Maria delle Grazie besichtigen.

Fazit

Die Wanderung kann grundsätzlich in beiden Richtungen (siehe Titel) begangen werden, wobei unsere Verirrung zu Beginn wohl eher eine glückliche Fügung ist, denn der Aufstieg in der gewählten Richtung ist einiges schöner und spektakulärer. Auf jeden Fall ist die Wanderung aber ein paar Stunden Zeit wert.

 

Gewandert am: 11. Mai 2013

Pizzo Cramalina (2322m)

Typ: Mühevolle Wanderung im abgelegenen Vergeletto mit wunderschönem Ausblick, nicht auf die Zivilisation, sondern die Wildnis

Kondition: mittel (3 von 5)

Schwierigkeit: leicht (2 von 5)

An- / Rückreise
Mit dem Zug nach Locarno, ab dort mit dem Onsernone-Postauto nach Gresso, falls der Postautofahrer Max heißt wird dieser einem noch gute weitere Wandertipps geben können.
Mit dem Auto nach Gresso direkt und vor der Kirche parkieren. Wer das erste mal das Onsernone befährt dem sei hier versichert: bis 2020 soll anscheinend das ganze Tal zweispurig erschlossen sein, zumindest bis Russo. Und man nehme sich vor den Postautos in Acht, die fahren zwar nicht halsbrecherisch, aber mit Vorliebe ultra-knapp am Spiegel des eigenen Fahrzeugs vorbei und da Postauto ja bekanntlich immer Vortritt und Recht haben lässt man sich am besten gar nicht auf irgendwelche Scharmützel ein.
Wanderung
Wir starten in Gresso (994m), einem kleinen Dörflein im abgelegenen Vergeletto des Tessin. Hier sagen sich tatsächlich Fuchs und Haas auf italienisch Gute Nacht, so abgelegen ist es hier. Ein allerletztes Einkaufen ist hier nicht, denn einen Laden betreibt hier niemand und ausserdem hätte er um diese Zeit auch nicht offen. Einlaufen ist auch nicht, es geht ohne wandertechnische Vorworte gerade direkt in die eigentliche Haupthandlung der Wanderung, dem Bergauf. Steil steigt der Weg an, zuerst noch durch das Dorf, schon bald auf Wiesen, dann im Wald.
Der Weg ist im Moment noch gut beschildert, das ändert sich später, aber zumindest bis zur Alpe Bassa, einer unserer Wegstationen. Aber wie erwähnt es geht es erst mal stotzig bergauf und wir erreichen schon gut aufgewärmt Pian del Crosa (1370m). Ob man hierher wie auf der Karte ersichtlich die  untere oder obere Wegvariante nimmt ist übrigens Hans was Heiri. Pian del Crosa erstaunt mich: Das Onsernone-Tal ist ja schon abgelegen, das sich davon verzweigende Vergeletto mit Gresso noch mehr, aber das jemand das Bedürfnis hat, sich noch mehr zurück zu ziehen kann ich schwer nachvollziehen, es sei denn, man muss, aus welchen Gründen auch immer.
Das obere Ende von Pian della Crosa
Das obere Ende von Pian della Crosa
An diesem für Oktober-Verhältnisse warmen Morgen aber sind die Gebäude ohne Leben als wir vorbeiwandern, erst auf unserem Rückweg werden wir dann von einem übereifrigen kleinen Hund angebellt werden. Nun aber mühen wir uns an den Rustico vorbei und biegen oberhalb davon nach rechts in den Wald hinein ab, der Weg in Richtung Alpe Bassa ist gut beschildert und führt im Wesentlichen den Rücken der Bisadelle hoch, bevor wir, ein kleines unbenanntes Bächlein überquerend, leicht ostwärts gegen die verlassene Alpe hochsteigen.
Im Wald in Richtung Alpe Bassa
Im Wald in Richtung Alpe Bassa
Auch hier begegnet uns keine Menschenseele.
Die Alpe Bassa
Die Alpe Bassa (1744m)
Wir geniessen noch einmal die wunderprächtigen Farben des Tessiner Waldes und den Blick Richtung Crana. Hier muss man aufpassen: der Weg in Richtung Pizzo Cramalina ist ziemlich verborgen und gabelt oberhalb der Alpe kaum sichtbar nach links vom anderen Weg ab. Falls man ein weiteres kleines Bächlein überquert weiß man, dass man falsch liegt.
Es geht noch ca. 10 Minuten durch den Wald leicht ansteigend, bevor ein weiteres Mal Vorsicht geboten ist. Ein Weg führt steil bergab in Richtung Alpe di Biètri, unser Pfad jedoch geht kaum erkennbar rechts auf gleicher Höhe weiter. Nun wird die Wanderung einiges wilder: der stark überwachsene Weg ist zeitweise kaum zu finden und wir schlagen uns, ungefähr der gleichen Höhenlinie folgend, unter dem Pizzo Bassa durch, wobei wir noch eine Gämse aufschrecken.  Die Alpe del Lago, unser nächster Wegposten, ist stellenweise gut zu sehen wie übrigens auch das Endziel, der Pizzo Cramalina. Der Weg zur Alpe ist denn auch mehr erahnt als richtig gefunden, denn einen Weg hat es hier keinen mehr.
Unser Ziel mit der Alpe del Lago untendran
Unser Ziel mit der Alpe del Lago untendran
Wir machen bei der Alpe erst mal Rast und nehmen dann das letzte und schwierigste Wegstück in Angriff, die Schulter des Pizzo. Überraschend gut ist ein Weg zu erkennen, der oberhalb der Ställe aus Stein auf die eigentliche Flanke führt aber das war’s dann auch schon. Ab dort (unterhalb des Punktes 2036) geht man am besten genau auf der Kante und ohne Weg.
Der Rücken des Pizzo Cramalina
Der Rücken des Pizzo Cramalina
Ab und zu ist zwar so etwas wie ein Pfad erkennbar, dieser ist aber nicht durchgehend. Die direkte Route den Rücken hoch hat ihren Preis, es ist ziemlich steil und schweißtreibend. Auf der “Nase” angekommen sind die letzten 100 Höhenmeter dann vergleichbar einfach zu bewältigen.
Auf dem Pizzo (2322m, auf dem Steinhaufen noch 1m mehr) präsentiert sich uns eine wunderbare Aussicht auf die Tessiner Bergwelt, obwohl wir stellenweise in einer Wolke sind. Gut ist ein Stück des Maggia-Tals mit Maggia und Lodano zu sehen.
Gipfel-Panorama
Gipfel-Panorama
Auf dem Rückweg sind wir den gleichen Weg wieder runter gegangen, es gäbe aber noch eine Variante über die Alpe del Ròdan nach Gresso abzusteigen. Dabei steigt man wie gehabt zuerst über den Rücken ab um nachher der Südwestflanke des Cramalina zu folgen. Vor der Alpe die Biètri geht dann rechts runter ein Weg über Merguna zurück nach Gresso.
Fazit
Schweisstreibend, aber schön wild und wild schön. Eine sehr lohnende Tagestour.
Zuletzt gelaufen am: 5. Oktober 2012

Churfirsten für Mountainbiker: Walenstadt (428m) – Walenstadtberg – Alps Säls (1413m) – Laubegg – Weesen (431m)

Typ: mittelmässig anstrengende Mountainbike-Tour oberhalb des Walensee

Länge: 4h reine Fahrzeit

Kondition: mittel (3 von 5)

Schwierigkeit: schwierig, vor allem bergab (4 von 5)

Persönliches Urteil: Wunderbare MTB-Tour,  sehr einfacher Aufstieg mit einer technisch schwierigen und anspruchsvollen Abfahrt.

Einleitung

Einmal mehr locken die Churfirsten, dieses Mal aber auf dem Mountainbike. Die ausgeschilderte Mountainbike-Strecke, die ich beim Gochtlauf zum Teil schon erkunden konnte musste dieses Mal bezwungen werden.

An- und Rückreise

Mit dem Auto bis Weesen Bahnhof, von dort aus mit dem Zug bis Walenstadt – oder aber mit dem Auto bis Walenstadt, so dass man nach getaner Arbeit in Weesen das Supplement dem Walensee nach bis Walenstadt anhängen kann.

Wir entscheiden uns mit zwei Autos anzufahren und eines davon in Weesen zu lassen, so dass wir am Abend zum anderen Fahrzeug in Walenstadt fahren können.

Tour

Churfirsten Panorama
Churfirsten Panorama (iPhone Autostitch)

Die Tour startet in Walenstadt (für Weicheier gibt es die Variante Postauto bis Walenstadtberg) auf 428m. Wir finden den Weg durch das Dorf in Richtung Walenstadtberg (Höhenklinik). Auf der Teerstrasse geht es ohne besondere Vorkommnisse einigermassen anstrendend den Berg hoch. Obwohl die Höhenklinik visuell das Tal dominiert fährt man im Wald elegant darum herum und merkt gar nicht, dass man die 967m Marke nahe zu ihr schon überfahren hat. Es geht weiter stetig und gut beschildert über Schönegg (1148m) und Rugg (1290m) bergauf, bis man bei der Alp Schwaldis (1434m) eine erste Zwischenstation erreicht.

Wir treffen einen älteren Psychopathen, der laut vor sich hin redend mit einem Feldstecher in der Gegend herumrennt und anscheinend Gemsen und Steinböcke sieht. Wir sehen nichts. Leider fällt es dem brummligen Zeitgenossen nicht ein, uns den Feldstecher auszuleihen, aber ich würde ihn glaube ich auch nicht nehmen. Nachdem er laut wetternd ein Robidog-Säckli von einem Hündeler einen Meter weiter nach links befördert hat taut er auf und berichtet uns stolz, dass er neben den Tieren und Jägern auch ab und zu einen Base-Jumper sieht (wohl mit Wing-Suit), die sich von irgendwelchen Felsen stürzen und gegen Walenstadt fliegen / fallen.

Wir überlassen ihn seinem Schicksal und fahren weiter um die Sälser Schwamm herum in Richtung Alp Säls (1413m); hier hat es keinen Asphalt mehr sondern nur noch Kiesel. Von dort aus geht es nochmals 100 Höhenmeter hoch, bevor rechts der Weg in Richtung Gocht abzweigt; wir fahren mit dem Mountainbike auf dem Bergpfad “geradeaus” und schon leicht bergab.

Wurden wir vorher noch mit breiten Wegen und technisch Unanspruchsvollem verwöhnt so ändert sich dies jetzt schlagartig. Der Weg wird eng und wegen dem Regen in den letzten Tagen ist er auch ziemlich rutschig. Die ersten Kilometer gestalten sich schwierig. Wir müssen zeitweise absteigen da zu gefährlich ist (oder wir zu wenig Mut haben!). Exponiert sind nur ganz wenige Stellen (was man angesichts der Betrachtung der Churfirsten von der Autobahn her gar nicht glauben würde), aber es geht zeitweise doch recht steil runter (und hoch!) und es hat immer wieder grosse Steinbrocken im Weg.

In der Gegend von Stäfeli (1458m) und Laubegg (1373m) gibt es einige schöne Passagen, wo man seine Technik traininen kann. Bei Laubegg treffen wir auf ein paar Jäger und fragen nach dem Weg, welcher sich aber später als gut ausgeschildert herausstellt. Ab dort geht auch die schwierigste Passage los, in fussbreiten Serpentinenwegen mit engen Kurven geht es – zuerst über ein wenig Alpwiese, dann im Wald – ziemlich steil bergab. Bis Bidem ist für mich als mittelmässig Geübter nicht an konstentes Fahren zu denken, ich muss immer wieder absteigen und die engen Kurven laufen. Hier ist auch Vorsicht angesagt, wie erwähnt sind die Stellen zwar nicht exponiert, würde man aber talseitig um- und runterfallen wäre es schon ziemlich schmerzhaft.

Die schnittigen Veloschuhe ohne Knöchelschutz erweisen sich als Nachteil: Auf dem matschigen Waldboden sind sie einiges weniger Halt als die MTB-Finken.Mentale Notiz für’s nächste Mal vorher den Veloplus zu beehren. Auch die doppelseitigen Klickpedale wirken sich nicht zu meinem Vorteil aus und ich beschliesse, die Bärentatzen wieder zu montieren.

Ab Bidem (933m) wird die Strecke dann so richtig schön und wir fahren schwungvoll in Richtung Vorderbetlis zum Strandbad bei Stralegg (455m). Dazwischen sehen wir noch die beeindruckenden Seerenbachfälle (ein Ausflug für’s Wochenende wert?).

Nach der Pause beim Strandbad geht der Weg auf Asphalt weiter zurück nach Weesen, wo wir auch kurz später den Bahnhof wieder finden.

Fazit

Eine coole Tour, zum besseren Genuss hätte es vielleicht doch trockener sein müssen und ich hätte mir im Lauf der Saison noch die eine oder andere Sicherheit im technischen Bereich aneignen müssen. Aber trotzdem: Wohl investierte Zeit mit einem wunderschönen Panorama und einer anspruchsvollen Abfahrt. Was will man mehr?

Zuletzt gefahren am: 22. September 2012